Prozess Landesarbeitsgericht Hamm nächste Woche rassistischer Diskriminierung in der ZAB Bielefeld verschoben auf den 10. Januar 2019 um 11 Uhr
9. November 2018
Texte auf dem Blog nachlesen http://entschiedengegenrassismus.de/blog/
11. Dezember 2018
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Unsere Forderungen nach der Netzwerk-Konferenz gegen Rassismus

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Clausen,

sehr geehrte Vertreter*innen der Ratsfraktionen,

im Namen von Entschieden gegen Rassismus und dem Netzwerk- und Kooperationstreffen zur Bestandsaufnahme von Rassismus und Diskriminierung in Bielefeld

senden wir Ihnen die Dokumentation, den Forderungskatalog sowie den Offenen Brief an den Oberbürgermeister Herrn Clausen und die Ratsfraktionen zu,

um diese Materialien u.a. für den Aktionsplan der Stadt Bielefeld gegen Rassismus zu berücksichtigen.

mit freundlichen Grüßen

Entschieden gegen Rassismus und Diskriminierung

 

 

Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld Herrn Clausen und die Ratsfraktionen

zu den Ergebnissen des NETZWERK- und KOOPERATIONSTREFFENS und der Bestandsaufnahme von RASSISMUS UND DISKRIMINIERUNG der Zivilgesellschaft in Bielefeld

Am 16.11.2018 wurde in Kooperation mit der Volkshochschule Bielefeld und Entschieden gegen Rassismus und Diskriminierung an der Volkshochschule Bielefeld das Netzwerk- und Kooperationstreffen zur Bestandsaufnahme von Rassismus und Diskriminierung in Bielefeld durchgeführt.

Bielefeld ist seit 2017 Mitglied in der Europäischen Städte- Koalition gegen Rassismus  und hat sich dazu verpflichtet, einen 10 Punkte Aktionsplan gegen Rassismus umzusetzen.

Die Bestandsaufnahme zu Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen seitens der beteiligten Migrant*innenselbstorganisationen, Initiativen, Vereine, Institutionen und Einzelpersonen ist ein Element dieses Aktionsplans. Anhand eines Erhebungsformulares zu Diskriminierung-/ Rassismuserfahrungen, den wir vorab verteilten und beim Austauschen  über Bedarfe, Ziele und nächster Schritte wurden Forderungen an die Stadt entwickelt, welche wir am 20. November 2018 der Stadt postalisch übergeben haben, da der Oberbürgermeister keine Zeit für eine Entgegennahme in dieser Woche hatte.

Zentrale Ergebnisse der gesammelten Erfahrungen und Forderungen sind Folgende: 

Unterschiedlichste rassistische Diskriminierung gegenüber Menschen, die als muslimisch angesehen werden, sind vielfach berichtet worden. Ebenso Diskriminierungen gegenüber Menschen, die als türkisch oder arabisch angesehen werden. Massivste Diskriminierung berichten Menschen, die als afrikanisch angesehen werden.

Eine Schülerin berichtet: „Ich war in der 7. Klasse einer Realschule und wurde zum Opfer meiner Lehrerin, die sich mir gegenüber sehr abfällig äußerte: „Bei euch zuhause sieht es sicher aus wie bei den Hottentotten!“ Ich konnte damals gar nicht verstehen, warum sie dies sagte, bis ich sie fragte. Sie antwortete: „Deine Mutter kommt doch aus Griechenland oder?“

Eine andere Schülerin berichtet, dass eine Lehrerin die Klasse in zwei Gruppen einteilte. In aus Sicht der Lehrerin, Deutsche und Nichtdeutsche. Mit denen als „deutsch“ verorteten Schülern führte sie den Unterricht durch, während sie den anderen die Beschulung verweigerte.

Für die Zivilbevölkerung und die diskriminierungs- und rassismuskritische Orientierung der Stadt Bielefeld sind folgende Punkte als wichtig ausgearbeitet worden:

  1. Die Einrichtung von unabhängigen Antidiskriminierungsstellen für Diskriminierungen jeglicher Art und ihre Dokumentation – sowohl im alltäglichen Zivilrechtsverkehr als auch durch städtische Institutionen. Da die Antidiskriminierungsstelle der Stadt bei Diskriminierung städtischen Institutionen in einem Loyalitätskonflikt steht.
  2. Die Einrichtung weiterer unabhängiger Antidiskriminierungsstellen für alle Schulformen, da Schüler*innen bei erlebter Diskriminierung systematisch keine effektive Unterstützung erhalten.
  3. Etablieren von unabhängigen Rassimusbeauftragten, analog zu den Gleichstellungsbeauftragten in Institutionen, Behörden und Betrieben.
  4. Es bedarf klarer Regelungen und Beschwerdewegen bei rassistischen Diskriminierungen in Firmen, Schulen, Hochschulen und sonstigen Institutionen.
  5. Analyse aller Bildungsinstitutionen in Bezug auf Reproduktion von Rassismen und Förderung von rassimuskritischen Schulkonzepten.
  6. Eine systematische diskriminierungs- und rassismuskritische Qualifikation aller Mitarbeitenden in Institutionen und Firmen, insbesondere zur Reflexion von weißen, hegemonialen und rassimuskritischen Perspektiven.
  7. Förderung und Unterstützung von Empowerment Programmen, insbesondere von Safe Space Räumen.
  8. Repräsentation von Menschen mit potentieller Rassimuserfahrung auf allen Ebenen, insbesondere in den öffentlichen Räumen.
  9. Wiedereinstellung des in der ZAB Bielefeld massiv diskriminierten Mitarbeiters und eine angemessene Entschuldigung und Entschädigung.
  10. Immer wieder fortführende Analysen und Bestandsaufnahmen zu Rassismen und Diskriminierungen in der Stadtplanung unter Berücksichtigung des privaten Rechtsverkehrs.

Diese Forderungen sollen durch einen zeitnahen Aktions- und Maßnahmenplan der Stadt Bielefeld, insbesondere durch personelle Strukturen (Mitarbeiterstellen), umgesetzt werden. In Bielefeld soll eine zentrale Grundlage für ein Arbeiten gegen Rassismus sowie die Begleitung, Beratung und Unterstützung bei erlebten Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen geschaffen werden, die unabhängig arbeitet.

Bielefeld, den 21.11.2018

Entschieden gegen Rassismus und Diskriminierung

entschiedengegenrassismus.de / info@entschiedengegenrassismus.de

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